Düsseldorfer Malerschule

Die Malerschule

Nach wie vor sind Gemälde der Düsseldorfer Malerschule gesucht, und zwar nicht nur in Nordrhein-Westfalen, sondern in Deutschland und darüber hinaus. Sie gilt als internationale Schule, und sie ist es tatsächlich seit dem 19. Jahrhundert. Erinnert sei an die Gründung der „Düsseldorf Gallery“ in New York 1855. Viele Düsseldorfer Maler waren zudem vor oder nach ihrem Aufenthalt in Düsseldorf in anderen Regionen und Kunstzentren tätig oder haben sie sogar begründet (Karlsruhe und Weimar). Somit ist die Ausstrahlung ihrer Repräsentanten bis heute keineswegs regional. Das Interesse der Sammler hat sich hier gegenüber der Vergangenheit jedoch verlagert. In den 1980er Jahren florierten die traditionelle Historienmalerei aus der Schule von Wilhelm von Schadow (1788-1862), die oft religiös-nazarenisch war, die stilisierten Landschaften in der Nachfolge von Friedrich Lessing (1808-1880) oder die Kleinmeister der Genrekunst wie Hugo Oehmichen (1843-1932). Heute wird hier streng ausgewählt. In erster Linie sind es noch erlesene Hauptwerke dieser Düsseldorfer „Altmeister“, die begehrt sind. Auf Seiten der Nazarener sind zu nennen Franz Ittenbach (1813-1879), Ernst Deger (1809-1885) oder Andreas Müller (1811-1890). Für das Genrefach stehen Namen wie Johann Peter Hasenclever (1810-1853), Julius Hübner (1806-1882) und Adolf Schrödter (1805-1875), aber auch der später in Berlin ansässige Maler des bäuerlichen Lebens Ludwig Knaus (1829-1910). In der Landschaftsmalerei dominieren seit jeher die Brüder Oswald und Andreas Achenbach (1827-1905, bzw. 1815-1910), auch Albert Flamm (1823-1906).

Andreas Achenbach ist einer der vielseitigsten Maler der Düsseldorfer Schule und eines ihrer ersten Aushängeschilder. Seine bekannteste Motive sind Sturmlandschaften am Meer: bewegte See, schwankende Schiffe, Menschen, die gegen den Sturm ankämpfen, und unheilvoll dräuende, graue Wolkengebilde. Daneben stehen spätromantische Landschaften mit westfälischen Wassermühlen, außerdem reiste er nach Italien und malte eine große Zahl von Italienbildern. Sein Bruder Oswald Achenbach ist da bedeutend einseitiger, wenngleich seine Gemälde heute tendenziell teurer gehandelt werden als die seines Bruders – Folge eines einzigartigen, von anderen Malern nicht mehr erreichten Spezialistentums. Oswald reüssierte außerordentlich mit italienischen Landschaften, speziell aus dem römischen Umland und der Neapler Gegend, und blieb diesem Motivkreis treu bis zum Schluß. Stets finden sich darin lebensnahe Szenen aus dem Volksleben. Ein virtuoser, skizzenhafter, offener Malstil und unübertroffene Koloristik machen diese Bilder heute zu begehrten, teuren Sammlerstücken. Schon zu Lebzeiten war er so gefragt, dass seine Galeristen schneller verkauften als er liefern konnte. Die Einseitigkeit seines Werks resultierte aus eben diesem Erfolg: das Publikum wollte einfach nichts anderes von ihm sehen, worunter der Künstler bisweilen selbst litt. Die Italienbilder seines Freundes und künstlerischen Nachahmers Albert Flamm zählen heute ebenfalls zu den gesuchten Werken des 19. Jahrhunderts.

Fachmaler

Ungebrochene Nachfrage haben die Düsseldorfer Fachmaler, also jene Künstler, die sich auf ein Genre spezialisiert haben, in dem sie es zu unerreichter Meisterschaft brachten. Dazu gehören Bilder vom Typ „Jäger in Landschaft“ von Hugo Mühlig (1854-1929). Wie kaum einem Maler gelang es Mühlig, Realismus und Stimmungsmalerei miteinander zu verbinden, wenn er beispielsweise einen müden, schweigenden Trupp Jäger nach der Jagd in frühester Morgenstunde auf offener Flur darstellt – sein zweifellos populärstes und oft wiederholtes Motiv. Auch Bauern bei der Arbeit verstand er in derselben unnachahmlichen Auffassung wiederzugeben. Mühlig wurde in Dresden geboren, siedelte 1881 nach Düsseldorf über, wo er bis zu seinem Tod ansässig blieb. Für seine Gemälde fertigte er oft Studien in der nordhessischen Malerkolonie Willingshausen an. Ebenfalls mit der Willingshausener Malerkolonie verbunden war Adolf Lins (1856-1927), der mit Gänsen und Gänsehirtin in Landschaft bekannt wurde. Hervorzuheben sind ebenso die in zahllosen Varianten vorkommenden ruhigen Niederrheinlandschaften von Max Clarenbach (1880-1952), die trotz schon serieller Fertigung in seinem Kaiserswerther Atelier durchweg von hohem impressionistischem Stimmungsreiz sind. Auch die delikaten Stillleben von Wilhelm Preyer (1803-1889) und seiner Tochter Emilie Preyer (1849-1930) in altmeisterlich lasierender Feinmalerei faszinieren das Publikum bis heute.
 

Internationale Ausstrahlung

In den 1840er und 50er Jahren war die Düsseldorfer Kunstakademie ein international führendes Ausbildungsinstitut. Die Düsseldorfer Malerschule galt als Inbegriff der hohen Kunst. Gleichzeitig befand sich die Anziehungskraft für ausländische Künstler und Kunstschüler auf dem Höhepunkt. Besonders in Skandinavien und in den USA galt ein Besuch der Düsseldorfer Akademie als karrierefördernd. So nimmt es nicht wunder, dass in ihrem Umfeld um die Jahrhundertmitte ein internationales Kunstmilieu florierte, wie man es in keiner anderen deutschen Kunststadt und auch in Paris nicht fand.
 

Skandinavien

Hans Frederik Gude (1825-1903), der wohl populärste norwegischer Landschaftsmaler des 19. Jahrhunderts, studierte 1842-1844 an der Düsseldorfer Kunstakademie. Seine herausragende Stellung in der norwegischen Kunstgeschichte beruht kurioserweise jedoch nicht auf einer Tätigkeit in seinem Heimatland, sondern auf seiner Lehrtätigkeit an den Kunstakademien in Düsseldorf, Karlsruhe und Berlin. Generationen von Malern gingen durch seine Schule, wobei er in Düsseldorf besonders skandinavische Maler anzog, für die die dortige Akademie in den 1840er und 50er Jahren beinahe zum Pflichtprogramm gehörte. Gude ist ein Vertreter der realistischen Landschaftsmalerei. Eine klassische Überhöhung der Landschaft lehnte er ab. Durch Gudes Anziehungskraft als Lehrer und Vorbild begaben sich weitere skandinavische Maler nach Düsseldorf, darunter der bedeutende Johann Frederik Eckersberg (1822–1870) und Adolf Tidemand (1814-1876). Auch August Jernberg (1826-1896) und Carl Henrik d’Uncker (1828-1866) zählen zu den „Schweden“ in Düsseldorf, wenngleich sie sich auf das Feld der Genremalerei verlegten.
 

Hudson River School in Nordamerika

In den 1850er und 60er Jahren, als die Düsseldorfer Schule in Amerika höchste Popularität genoss, feierten in den USA die Maler der Hudson River School ihre größten Erfolge. Einer ihrer Hauptrepräsentanten, James McDougal Hart (1828-1901), hatte an der Düsseldorfer Kunstakademie Landschaftsmalerei studiert. Hart genoss zu Lebzeiten hohe Popularität und war sehr produktiv. 1857 ließ er sich in New York nieder, wo er als angesehenes Mitglied der National Academy of Design bis um 1900 Ausstellungen beschickte. In den 1860er und 70er Jahren waren seine romantischen, ruhigen mit Tierstaffage versehenen Landschaftsbilder auf dem Höhepunkt ihrer Beliebtheit beim Publikum. Topographische Motive, klare Lokalfarben und ein großer Detailrealismus kennzeichnen die Arbeiten. Weitere Landschaftsmaler, wie der Achenbachschüler Albert Bierstadt, der in Kanada tätige, ehemals Nassauische Hofmaler Otto Reinhold Jacobi (1814-1901) und Hermann Herzog (1832-1932), dessen große, realistische Landschaftsszenerien heute in den USA sehr geschätzt und teuer gehandelt werden, stehen für die internationalen Verflechtungen der Düsseldorfer Malerschule.
 

Russische Malerei

1864/65 kam der bedeutende russische Landschaftsmaler Iwan Schischkin (1832-1898) an die Düsseldorfer Kunstakademie. In Russland schloss er sich später der Gruppe der Peredwischniki an, den Wandermalern, einer Gruppe realistischer Künstler, die gegen die strikte Ausbildung an den Akademien in St. Petersburg und Moskau protestierten und ihre Bilder auf Wanderausstellungen einem breiten Publikum außerhalb der beiden Metropolen nahe bringen wollten. Zu ihnen gehörte auch Ilja Repin und ihr wichtigster Sammler war Pawel  Tretjakow, dessen Sammlung heute eines der Hauptmuseen in Russland darstellt. Die Düsseldorfer Genre- und Landschaftsmalerei übte Einfluss auf andere russische Maler aus wie Fjodor Alexandrowitsch Wassiliew (1850-1873), und Alexei Petrowitsch Bogoljubow, der von 1854 bis 1856 bei Andreas Achenbach studierte.
 

Bis nach Australien

Der in Wien geborene Landschaftsmaler Eugen von Guérard (1811-1901), der ebenfalls in den 1840er Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie studierte, gilt als künstlerischer Entdecker Australiens. 1852 hatte er als Goldsucher in Australien sein Glück machen wollen, was jedoch misslang. So bereiste er in den folgenden 16 Jahren Australien als Zeichner. Unwegsamste Gegenden durchstreifte er zu Fuß oder zu Pferd auf beschwerlichen Exkursionen und füllte dabei zahllose Skizzenbücher. Die Skizzen übertrug er später auf Bestellung in Gemälden auf Leinwand oder in ausgearbeitete Zeichnungen als Vorlagen zum Vervielfältigungsdruck. Grandiose Berglandschaften im Stil der europäischen Alpenmaler waren seine beliebtesten Bildvorwürfe. Diese Gemälde Guérards erzielen heute im Kunsthandel die höchsten Preise aller Abkömmlinge der Düsseldorfer Kunstakademie.
 

Klassische Moderne

Ebenso wie die „Altmeister“ der Düsseldorfer Schule sind die Klassiker des frühen 20. Jahrhunderts, die Modernen, gefragt. Am Beginn der modernen, von Frankreich her inspirierten Richtung steht in Düsseldorf Eugen Dücker (1841-1916), dessen großer Rang als Maler und Wegbereiter für eine ganze Generation von Malern erst in der jüngeren Vergangenheit erkannt wurde. Das gleiche gilt für Gregor von Bochmann (1850-1930). Nach 1900 hielt in Düsseldorf der Impressionismus Einzug, nach dem I. Weltkrieg der Expressionismus. Willy Lucas (1884-1918), Friedrich August Herkendell (1876-1940), Richard Bloos (1878-1957), Max Stern (1872-1943) und der Eigenbrötler Wilhelm Schreuer (1866-1933) mit ihren figurenreichen Stadtszenerien sind feste Größen des Kunstmarkts. Mehr noch gelten die freilich seltenen Werke der Expressionisten wie Heinrich Nauen (1880-1940), Ulrich Leman (1885-1988) und Walter Ophey (1882-1930), ebenfalls Maler mit internationaler Reputation.  
 

Neue Sachlichkeit

Der Ankauf von Gemälden der Avantgarde steht bei uns ganz oben. Düsseldorf war in den 1920er Jahren eine der Keimzellen der modernen Malerei. Zahlreiche Künstler schlossen sich hier der Vereinigung „Junges Rheinland“ an und wurden durch die berühmte Galeristin Johanna Ey vertreten. Neben dem Expressionismus gewann nach dem 1. Weltkrieg die Malerei der Neuen Sachlichkeit an Bedeutung. Sie ist gekennzeichnet durch einen hohen Grad an Realismus in Verbindung mit altmeisterlich-glatter Malweise und bildete somit eine Gegenbewegung zu den abstrahierenden Tendenzen in der Kunst. Oft wurden dabei soziale Probleme der Weimarer Republik thematisiert, aber auch die Stillleben- und Bildnismalerei gelangten noch einmal auf einen Höhepunkt. Der herausragende Maler der Neuen Sachlichkeit, Otto Dix (1891-1969), lebte 1922 bis 1925 in Düsseldorf und war Mitglied im „Jungen Rheinland“. Christian Schad (1894-1982), Alexander Kanoldt (1881-1939) und Georg Schrimpf (1889-1938) sind weitere Hauptrepräsentanten dieses Stils. Speziell interessiert sind wir natürlich am Ankauf von Werken Düsseldorfer Maler, die der Neuen Sachlichkeit zugeordnet werden, wie Albert Henrich (1899-1971), Herbert Böttger (1898-1954), Bernhard Templin (1894-1974), Heinrich Maria Davringhausen (1894-1970) und Werner Schramm (1898-1970).
 

Nachkriegskunst

Nach 1945 kamen Impulse zur Erneuerung der Malerei aus den USA. Unter dem Eindruck von Jackson Pollok und dem abstrakten Expressionismus ging die Malerei in den 1950er und 60er Jahren in Deutschland in die Abstraktion. Man spricht auch von der informellen Malerei oder dem Informel. Ein herausragender Vertreter der informellen Malerei ist Emil Schumacher (1912-1999) aus Hagen in Westfalen, dessen Farb- und Formgebilde auf Leinwand nicht Ergebnis eines vorgedachten Konzepts sind, sondern die erst im Verlauf des Malvorgangs einer künstlerischen Notwendigkeit folgend Gestalt gewinnen. In Düsseldorf entstand 1953 die „Gruppe 53“ mit Gerhard Hoehme (1920-1989), Winfried Gaul (1928-2003), Friedrich Schiemann (1919-1991) und Peter Brüning (1929-1970). Später fanden sich Heinz Mack (geb. 1932), Otto Piene (1928-2014) und Günther Uecker (geb. 1930) in der Gruppe ZERO zusammen, um ein Forum für eine neue Kunst im Aufbruch zu schaffen: „Zero ist der Anfang. Zero ist rund. Zero dreht sich“, heißt es in dem von den drei Künstlern gemeinsam verfassten Manifest 1963. Die Kunst des ZERO wird seit einigen Jahren international wiederentdeckt. Sie wird einerseits auf dem Kunstmarkt stark nachgefragt, zugleich beflügeln bedeutende Ausstellungen wie die große ZERO-Ausstellung 2014 im Guggenheim-Museum in New York das Interesse. Seit 2006 existiert in Düsseldorf die ZERO-Stiftung. Mit Joseph Beuys (1921-1986) hat einer der wichtigsten und zugleich kontrovers diskutierten Künstler des 20. Jahrhunderts die Düsseldorfer Kunstszene bereichert. Wenn Sie Werke einer der genannten Kunstrichtungen verkaufen möchten, können wir Ihnen aufgrund unserer vielfältigen Vernetzung in der rheinischen Kunstszene ein optimales Angebot unterbreiten.